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Die entscheidende Ursache besonders hoher Tidewasserstände(=Gezeiten) ist, wie die Bezeichnung "Sturmflut" richtig aussagt, in der Windeinwirkung auf die Wasseroberfläche zu sehen. Der Wind in Sturmstärke erzeugt nicht nur mehr oder weniger lange und hohe Wellen, er setzt auch unter Umständen große Wassermassen in Bewegung, die sich besonders vor den flachen Küsten anstauen und in die Strommündungen gedrückt werden. Dabei sind die Windrichtung, -stärke und -dauer von entscheidender Bedeutung. Der Windeinfluss kann zu Wasserstauhöhen von mehreren Metern führen.
Als weitere Ursachen für hohe Wasserstände kommen riesige Einzelwellen in Betracht, die durch besondere meteorologische Verhältnisse über dem Nordatlantik, möglicherweise auch auf Seebeben zurückzuführen sind. Schließlich kann ein Zusammentreffen der astronomisch bedingten Springtide mit einer Sturmflut zu deren Erhöhung beitragen. Ein Zusammentreffen all dieser Ursachen hätte für die Küstenbewohner verheerende Folgen.

1 Kommentar 11.4.08 08:54, kommentieren

Über der Nordsee und den deutschen Küstengebieten hatten schon die ganze Woche über schwere Stürme getobt. Dazu kam ein weiteres Sturmtief, das sich aus Richtung Island näherte. Der Höhepunkt des Sturmes trat am 16. Februar abends um 22.00 Uhr in der Deutschen Bucht mit mittleren Windstärken von 9 bis 10 ein. Die sich hieraus entwickelnden Orkanböen erreichten die Küste in rascher Folge mit 80 Knoten ( = 150 km/ std ). Diese orkanartigen Sturmböen trafen mit der auflaufenden Flut zusammen, was zu einem sehr schnellen Anstieg des Hochwassers führte.
Um 0.30 Uhr war ein Höchststand von 3,62 Meter über mittlerem Tidehochwasser gemeldet worden. Das war bereits nur eine geschätzte Höhe, da kurz nach 22.30 Uhr die Pegelanlage in Cuxhaven ausgefallen war. Leider hat dieser wichtige Umstand nicht die nötige Beachtung gefunden. Stetig weiter steigend wälzte sich die Flut elbaufwärts, und erreichte in Stadersand bereits 4,30 Meter über NN. Die starken Sturmböen verursachten zusätzlich sehr hohe Wellenschläge, so dass das auflaufende Wasser die Deichkronen an vielen Stellen überspülte. An aufgewichten Deichen kam es schnell zu starken Beschädigungen, die von den Deichverteidigungskräften nicht mehr mit Sandsäcken und anderen Materialien geschlossen werden konnten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt musste für Hamburg das schlimmste befürchtet werden.

1 Kommentar 11.4.08 08:55, kommentieren

Die Sturmflut in der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1962 erreichte mit 4,03m über Mthw, das sind 5,73m über Normalnull, am St.Pauli-Pegel ihren höchsten Stand, und zwar 39 Minuten früher als vorausberechnet. Die durch starke Windböen ausgelösten Wellenberge durchfeuchteten und überspülten schnell die Deiche an zahlreichen Stellen.
Bereits um 21.53 Uhr wird der erste Deichbruch in Cuxhaven gemeldet. Gegen 0.00 Uhr beginnen die Deiche im Hamburger Raum brüchig zu werden. Von den überforderten Deichverteidigungskräften wird 0.14 Uhr der erste Deichbruch im Neuenfelder Rosengarten gemeldet. Es folgten Deichbruch-Meldungen in rascher Folge, und zwar in Moorburg, Francop, Altenwerder, Wilhelmsburg, Finkenwerder, Bullenhausen, Crantz, Stillhorn und Moorfleet, und das zum Teil an mehreren Stellen. 
Insgesamt waren die Deiche auf hamburgerischen Gebiet an 60 Stellen gebrochen. Die Deichbruchstellen waren, zusammengerechnet, etwa 2,5 km lang. Außerdem waren an 45 Stellen die Deiche so schwer beschädigt worden, dass bei anhaltendem Hochwasser weitere Deichbrüche drohten.
12.000 ha umfasste das überschwemmte Gebiet, mehr als ein Sechstel des hamburgischen Staatsgebietes. Betroffen waren die elbnahen Wohngebiete in Harburg, Wilhelmsburg, Bergedorf mit den Vier- und Marschlanden und die Hafengebiete der Innenstadt. Dabei hatten die älteren Bewohner der niedrig gelegenen Behelfsheimsiedlungen in Wilhelmsburg, Georgswerder, Finkenwerder, Walteershof, Moorfleet, Kirchenwerder, u.a.

11.4.08 08:58, kommentieren

Die für die Deichverteidigung zuständigen Stellen haben in der Flutnacht alle verfügbaren Kräfte mobilisiert. Schon in den Abendstunden des 16. Februar 1962 waren 77 Peterwagen-Besatzungen, 1.500 Bundeswehrangehörige, Polizisten und andere Deichverteidigungskräfte im Einsatz. Diese Kräfte waren zu Beginn überwiegend mit der Warnung und Alarmierung der Bewohner sowie der Absicherung der ersten schadhaften Stellen an den Deichen beschäftigt. 
Am nächsten Morgen waren es bereits 15.000 Helfer mit 200 Schlauchbooten und anderen Rettungsgeräten, die den von den Fluten eingeschlossenen Menschen zur Hilfe eilten. Für die Rettung waren außerdem 135 Hubschrauber eingesetzt worden, davon allein 65 am 18. Februar 1962. Das Schadensgebiet war so gewaltig, dass nicht alle Menschen am ersten Tag von den Bäumen, Böden und Dächern ihrer Häuser in Sicherheit gebracht werden konnten. Nach der Rettung der Menschen galt es, die Versorgung der vom Wasser Eingeschlossenen, deren Leben nicht unmittelbar in Gefahr war, sicherzustellen. Hierfür wurden alle verfügbaren Kräfte der Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den Hilfsorganisation eingesetzt. Als Leiter der Organisationsabteilung eines Bezirksamtes war ich von Beginn an im örtlichen Krisenstab eingesetzt. In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar nahm ich den Auftrag des Senats entgegen, auf dem Gelände des Segelflugplatzes Boberg eine Hubschrauber-Versorgungsbasis einzurichten. Mit zwei weiteren Kollegen haben wir diese Aufgabe etwa 14 Tage lang wahrgenommen. Die Fachdienststellen des Bezirksamtes haben Bedarfsgüter des täglichen Lebens eingekauft, wie Brennstoffe, Lebensmittel, Wolldecken u.a. lebensnotwendige Artikel, die in den Segelfliegerhallen gelagert wurden. Von hier aus wurden sie mit Hubschraubern in die vom Wasser eingeschlossenen Notstandgebiete in Wilhelmsburg und Umgebung eingeflogen. Um den Bedarf zu erkunden und weitere Aufträge erteilen zu können, musste ich häufiger mitfliegen. Bei dem Transport der Güter und den Lagerarbeiten haben uns motorisierte Bundeswehrangehörige tatkräftig unterstützt. Am 19. Februar 1962 befanden sich mehr als 15.000 Helfer im Einsatz, um die erste Not zu lindern und weitere mögliche Gefahren durch eindringendes Hochwasser an schadhaften Deichstellen abzuwenden.

11.4.08 09:03, kommentieren


An der Ecke Siedenfelder Weg/Kirchdorfer Straße erinnern drei Denkmäler an die seit Jahrhunderten bestehende Hochwassergefährung von Wilhelmsburg.

1 Kommentar 18.4.08 08:26, kommentieren


Dieses Denkmal erinnert an die Sturmflutopfer von 1962. Bis zum Jahr 2006 wurde hier am 16. Februar im Gedenken an die in der Sturmflut Ertrunkenen eine Feier veranstaltet. Rechts liegen zwei Einkaufswagen.

18.4.08 08:31, kommentieren


"Toten zur Ehre." Wie es scheint, buhlen Sprayer um diese Ehre in Konkurrenz mit den Toten. (Fotos vom 22.1.2008)

18.4.08 08:32, kommentieren