Rettung der Opfer

Die für die Deichverteidigung zuständigen Stellen haben in der Flutnacht alle verfügbaren Kräfte mobilisiert. Schon in den Abendstunden des 16. Februar 1962 waren 77 Peterwagen-Besatzungen, 1.500 Bundeswehrangehörige, Polizisten und andere Deichverteidigungskräfte im Einsatz. Diese Kräfte waren zu Beginn überwiegend mit der Warnung und Alarmierung der Bewohner sowie der Absicherung der ersten schadhaften Stellen an den Deichen beschäftigt. 
Am nächsten Morgen waren es bereits 15.000 Helfer mit 200 Schlauchbooten und anderen Rettungsgeräten, die den von den Fluten eingeschlossenen Menschen zur Hilfe eilten. Für die Rettung waren außerdem 135 Hubschrauber eingesetzt worden, davon allein 65 am 18. Februar 1962. Das Schadensgebiet war so gewaltig, dass nicht alle Menschen am ersten Tag von den Bäumen, Böden und Dächern ihrer Häuser in Sicherheit gebracht werden konnten. Nach der Rettung der Menschen galt es, die Versorgung der vom Wasser Eingeschlossenen, deren Leben nicht unmittelbar in Gefahr war, sicherzustellen. Hierfür wurden alle verfügbaren Kräfte der Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den Hilfsorganisation eingesetzt. Als Leiter der Organisationsabteilung eines Bezirksamtes war ich von Beginn an im örtlichen Krisenstab eingesetzt. In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar nahm ich den Auftrag des Senats entgegen, auf dem Gelände des Segelflugplatzes Boberg eine Hubschrauber-Versorgungsbasis einzurichten. Mit zwei weiteren Kollegen haben wir diese Aufgabe etwa 14 Tage lang wahrgenommen. Die Fachdienststellen des Bezirksamtes haben Bedarfsgüter des täglichen Lebens eingekauft, wie Brennstoffe, Lebensmittel, Wolldecken u.a. lebensnotwendige Artikel, die in den Segelfliegerhallen gelagert wurden. Von hier aus wurden sie mit Hubschraubern in die vom Wasser eingeschlossenen Notstandgebiete in Wilhelmsburg und Umgebung eingeflogen. Um den Bedarf zu erkunden und weitere Aufträge erteilen zu können, musste ich häufiger mitfliegen. Bei dem Transport der Güter und den Lagerarbeiten haben uns motorisierte Bundeswehrangehörige tatkräftig unterstützt. Am 19. Februar 1962 befanden sich mehr als 15.000 Helfer im Einsatz, um die erste Not zu lindern und weitere mögliche Gefahren durch eindringendes Hochwasser an schadhaften Deichstellen abzuwenden.

11.4.08 09:03, kommentieren